In treuen Händen – Zur Entwicklung treuhänderischen Unternehmertums

Ausgangslage – unternehmerisches Handeln als ein Gestalten

Unternehmen sind wesentlich für die Herstellung und Bewirtschaftung knapper Güter, ohne die Menschen und menschliche Gesellschaft nicht existieren können. Sie tragen entscheidenden Anteil an der Gestaltung unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, unserer Kultur, individueller Biographien und unserer natürlichen Umwelt: durch die Produktionsprozesse und deren Organisation, durch die Verbreitung der hergestellten Waren und Dienstleitungen, durch die Nutzung der für diese benötigten Ressourcen und durch die Erwirtschaftung und Verteilung von privatem Einkommen. Ein Unternehmen zu führen bedeutet die Gestaltung individueller und soziokultureller, auf natürliche Ressourcen angewiesener Lebensprozesse.

Ein Unternehmen zu führen bedeutet die Gestaltung individueller und soziokultureller, auf natürliche Ressourcen angewiesener Lebensprozesse.

Der Treugeber ist in diesem Kontext kein Eigentümer, sondern die das Eigentumsrecht setzende und schützende Gesellschaft.

Alternatives Eigentumsverständnis – der Unternehmer als Treuhänder

Soziokulturelle Lebensprozesse sind kein privates Eigentum, sondern Gestaltungsaufgaben. Das gesellschaftlich gesetzte und geschützte Recht auf Eigentum an Kapital bedeutet zum einen Freiraum zur individuellen unternehmerischen Entfaltung, zum anderen aber auch eine treuhänderische Verpflichtung, die mit dem Eigentum verbundenen Vollmachten im Sinne eines zweckerfüllenden, befriedigenden und menschenwürdigen Zusammenlebens zu gebrauchen. Der Treugeber ist in diesem Kontext kein Eigentümer, sondern die das Eigentumsrecht setzende und schützende Gesellschaft.

Treuhänderisches Unternehmertum – Fähigkeit vor Vermögen

Wird dieses treuhänderische Verständnis unternehmerischer Tätigkeit zu Ende gedacht, so ist es konsequent, diesem auch in der juristischen Ausgestaltung der Eigentumsstruktur Ausdruck zu verleihen. Es geht um die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen, innerhalb derer auch auf der Gesellschafterseite unabhängig von Vermögen Personen in Verantwortung treten können, die zur Entfaltung eines solchen treuhänderischen Unternehmertums in besonderer Weise befähigt sind. Mindestens so wichtig wie die rechtlichen Rahmenbedingungen ist die Entwicklung des Verständnisses des treuhänderischen Unternehmertums selbst. Ein adäquates Verständnis dieser unternehmerischen Haltung ist die Grundlage, um auf Gesellschafterseite, im Aufsichts- oder Beirat und in der Geschäftsführung die rechtlichen Rahmenbedingungen mit Leben zu füllen und die Unternehmen mit nachhaltigem Erfolg zu führen.

Mindestens so wichtig wie die rechtlichen Rahmenbedingungen ist die Entwicklung des Verständnisses des treuhänderischen Unternehmertums selbst.

Sorpetaler Unternehmerforum – Erfahrungsaustausch, Forschung und öffentliche Diskussion

Das Sorpetaler Unternehmerforum arbeitet an einem bewussten und professionellen Umgang mit den sich aus diesem Eigentums- und Führungsverständnis und seiner rechtlichen Strukturierung ergebenden Herausforderungen. Das Angebot richtet sich primär an Personen, die ihre unternehmerische Tätigkeit und Verantwortung als Gesellschafter, Aufsichts- und Beiräte oder als Geschäftsführer diesem Verständnis widmen. Darüber hinaus auch an Personen, die sich für diese Tätigkeiten vorbereiten und in entsprechende Positionen aufrücken wollen. Ziel ist der Austausch konkreter Erfahrungen von Praktiker zu Praktiker sowie die Initiierung der wissenschaftlichen Untersuchung entscheidender Fragestellungen. Die Erforschung, Formulierung und systematische Verdichtung relevanter Probleme dient der Ausbildung und Schärfung des Verständnisses in diesem Sinne treuhänderischer Unternehmensdynamiken und -strukturen und damit ihrer erfolgreichen Gestaltung.

Es gibt in Deutschland mehr als 400 Unternehmen, die in Form von Stiftungsunternehmen oder stiftungsähnlichen Eigentumsstrukturen dem Modell treuhänderischen Unternehmertums aus rechtlicher Sicht sehr nahe kommen. Ein großer Teil bewegt sich auch inhaltlich in diese Richtung, darunter so bekannte Namen wie Bosch, Thyssen-Krupp und Zeiss/Schott. Und jährlich wächst die Anzahl von Unternehmen, die diesen Weg neu einschlagen. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Welle von Schätzungsweise 135.000 Unternehmensübergaben zwischen 2014 und 2018 (IfM Bonn) bietet das Modell dieses treuhänderischen Unternehmertums aus unterschiedlichen Gesichtspunkten heraus – zum Beispiel ideelle Motive, fehlende Nachfolger oder Verhinderung von Kapitalspekulationen – eine chancenreiche Lösung. Diese Chancen durch den Austausch und die Bündelung und Reflexion praktischer Erfahrungen, durch Initiierung wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Diskussionen zu bergen, ist das Anliegen des Sorpetaler Unternehmerforums. Damit ist es das erste seiner Art.

Wir laden Sie ein, mit uns über dieses Verständnis unternehmerischen Handelns ins Gespräch zu kommen. Für Fragen steht Ihnen gerne zur Verfügung Till Wagner.